Vanderdecken’s Botschaft in die Heimath
oder die Gewalt der Verwandtenliebe, Theil 1
in: Morgenblatt für gebildete Stände [1821]

(laut Wikipedia die erste schriftliche Veröffentlichung über den Fliegenden Holländer in Deutschland)
(der Autor konnte nicht ermittelt werden, da die deutsche Übersetzung ohne Nachweis abgedruckt wurde; wurde in 3 Teilen veröffentlicht)

(aus dem Bestand der Uni-Bibliothek Düsseldorf)

Unser Schiff hatte das Vorgebirg der guten Hoffnung, das es auf der Fahrt berührt, wieder verlassen, und schon verloren wir den Tafelberg aus dem Gesichte, als die See höchst unruhig ward, welche bekanntlich dort stürmischer ist, als in irgend einer andern Gegend des bekannten Oceans. Das Wetter war trübe und nebelicht geworden, und der Wind, welcher vorher frisch gewehet hatte, fiel jezt zuweilen ganz und gar, um sich mit erneuerter Stärke wieder zu erheben und eine Zeitlang mit Heftigkeit zu blasen, bis er aufs Neue fiel, als regiere ihn irgend eine trübe Laune. Furchtbare Wellen kamen von Südosten her. Unsere Segel schlugen gegen die Masten, und das Schiff schwankte von einer Seite auf die andere und bewegte sich nicht von der Stelle. Um zwey Uhr Nachmittags hatten wir einen Windstoß von Donner und Regen begleitet. Die Matrosen fiengen an, unruhig zu werden und blickten ängstlich vorwärts. Sie sagten, wir würden eine unangenehme Nacht haben, und es sey nicht der Mühe werth, sich niederzulegen. Während einer der Offiziere einen Sturm beschrieb, den er bey dem Cap-Kace in Neufourndland erlebt, wurden wir plötzlich Alle von einem wüthenden Windstoß rücklings zu Boden geworfen. Mit wenigen aufgereften Segeln fuhren wir, bis es dunkel ward; dann aber hielt es der Kapitän am sichersten beyzulegen. Die Wache auf dem Verdecke bestand aus vier Mann, wovon einer an der Spitze aufpassen musste, indem das trübe Wetter uns nur auf eine kleine Entfernung von den Schiffsenden zu blicken erlaubte. Dieser Mann, welcher sich Tom Willis nannte, ging öfters auf das Verdeck, als sehe er sich nach etwas um, und wenn ihm die Andern zuriefen, nach was er sich umsehe, gab er keine bestimmte Antwort. Sie traten daher zu ihm und schienen erstarrt, ohne Anfangs etwas zu sagen. Dann aber rief einer: „geh’ Wilhelm, rufe die Wache!“ Mehr

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